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Wie prüfe ich, ob ein KI-Anbieter DSGVO wirklich kann?

Sieben Fragen zu Verträgen, Unterauftragnehmern, Datenflüssen, Löschung und Anbieterwechsel bei KI-Systemen.

Oliver Hees · aktualisiert 16. September 20264 Min. Lesezeit

Prüfliste auf einem Klemmbrett vor einem Serverschrank, KI-generiert

Ob ein KI-Anbieter DSGVO wirklich kann, erkennst du nicht am Satz „DSGVO-konform“ auf seiner Website. Der Satz kostet nichts und sagt für sich genommen nichts aus. Was etwas aussagt, sind sieben Fragen, die du in einem Gespräch stellen kannst und die sich nicht mit einem Textbaustein beantworten lassen.

Dieser Artikel ist eine praktische Einordnung aus der Sicht von jemandem, der solche Systeme baut. Er ersetzt keine Rechtsberatung.

Die sieben Fragen

1. „Gibt es einen Auftragsverarbeitungsvertrag, und darf ich ihn vorher sehen?“

Wenn ein Anbieter personenbezogene Daten in deinem Auftrag verarbeitet, braucht es einen Vertrag nach Artikel 28 DSGVO. Das ist keine Verhandlungssache und keine Formalie für später.

Bitte darum, ihn vor dem Vertragsabschluss zu sehen. Ein Anbieter, der den Vertrag erst nach der Unterschrift herausrückt, hat entweder keinen oder einen, der eine Prüfung nicht überstehen würde.

2. „Wo genau werden die Daten verarbeitet?“

Die schwache Antwort lautet „in der EU“. Die belastbare Antwort nennt Land, Rechenzentrumsbetreiber und die Frage, ob es Ausweich-Standorte gibt.

Der Unterschied ist nicht akademisch. „Server in Frankfurt“ kann bedeuten, dass ein US-Konzern dort ein Rechenzentrum betreibt, mit einer Muttergesellschaft, die dem US-Recht unterliegt. Das ist nicht automatisch unzulässig, aber es ist eine andere Situation als ein europäischer Anbieter mit europäischer Muttergesellschaft, und du solltest wissen, welche der beiden du hast.

3. „Wer sind deine Unterauftragnehmer?“

Fast jeder KI-Anbieter arbeitet mit weiteren Dienstleistern: dem Hoster, dem Modellanbieter, vielleicht einem Dienst für Sprachsynthese. Jeder davon ist ein Unterauftragnehmer, und du hast ein Recht darauf, die Liste zu kennen.

Wer diese Frage nicht sofort beantworten kann, hat seine eigene Lieferkette nicht überblickt. Das ist das häufigste Ergebnis dieser Frage, und es ist aussagekräftiger als alle Zertifikatslogos auf der Startseite.

4. „Fließen Daten in Drittländer, und worauf stützt sich das?“

Das EU-US Data Privacy Framework kann Übermittlungen an teilnehmende, entsprechend zertifizierte US-Organisationen ermöglichen. Prüfe den konkreten Empfänger, den Umfang seiner Zertifizierung und die aktuelle Rechtslage. Für andere Empfänger sind gegebenenfalls andere Transferinstrumente erforderlich.

Ein Anbieter sollte erklären können, welche Rechtsgrundlage er verwendet und wie ein Wechsel der rechtlichen oder technischen Voraussetzungen aufgefangen wird.

5. „Werden unsere Daten zum Training verwendet?“

Bei kostenpflichtigen Geschäftskunden-Tarifen ist die Antwort meist nein, aber sie muss im Vertrag stehen, nicht in einem Blogbeitrag des Anbieters. Frag außerdem, was mit den Eingaben passiert, wenn sie zur Missbrauchserkennung zwischengespeichert werden, und wie lange.

6. „Wie löschen wir Daten, und wie beweisen wir, dass sie weg sind?“

Das Auskunfts- und Löschrecht betroffener Personen endet nicht am Rand deines KI-Systems. Wenn ein Kunde die Löschung seiner Daten verlangt, musst du sie auch aus der Wissensbasis, den Protokollen und den Sicherungskopien entfernen können.

Diese Frage bringt in der Praxis die meisten Anbieter ins Stocken, weil Löschen in verteilten Systemen aufwendiger ist als Speichern.

7. „Was passiert, wenn wir kündigen?“

Bekommst du deine Daten in einem verwendbaren Format zurück? Werden sie beim Anbieter gelöscht, und bekommst du das bestätigt? Läuft dein System weiter, wenn der Vertrag endet?

Das ist formal keine Datenschutzfrage, aber sie entscheidet darüber, ob du das Datenschutzniveau überhaupt selbst in der Hand hast.

Die Abkürzung: die Frage gar nicht erst entstehen lassen

Viele der Fragen oben entstehen nur, weil die Daten das Haus verlassen. Wenn ein System auf deiner eigenen Infrastruktur läuft und das Sprachmodell lokal arbeitet, verschwinden die Fragen nach Drittlandtransfer, Unterauftragnehmern und Trainingsnutzung nicht aus der Welt, aber sie werden deutlich einfacher zu beantworten.

Das ist kein Argument gegen große Modelle. Es ist ein Argument dafür, bewusst zu entscheiden, welcher Anwendungsfall welche Daten wohin gibt. In der Praxis brauchen die wenigsten Anwendungsfälle im Mittelstand ein Spitzenmodell aus den USA. Und für die, die es brauchen, gibt es europäische Wege dorthin.

Wie wir das lösen, steht auf der Seite zu Wissensbasis und Chatbot. Der kurze Weg: Standard ist lokal, große Modelle nur da, wo der Anwendungsfall es rechtfertigt, und dann über einen Weg, den du kennst und der im Vertrag steht.

Was du mitnehmen solltest

Die sieben Fragen dauern zusammen zwanzig Minuten. Sie ersetzen keine Datenschutzfolgenabschätzung, aber sie trennen zuverlässig die Anbieter, die eine Antwort haben, von denen, die einen Textbaustein haben.

Und wenn ein Anbieter bei einer der Fragen ins Schwimmen gerät: Das ist kein Grund, sofort abzubrechen. Es ist ein Grund, die Antwort schriftlich nachzufordern.

Redaktionell präzisiert am 16. September 2026. Allgemeine Orientierung; die Bewertung des konkreten Einsatzes bleibt erforderlich.

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Häufige Fragen

Braucht ein KI-Anbieter einen Auftragsverarbeitungsvertrag?

Wenn ein Anbieter personenbezogene Daten in deinem Auftrag verarbeitet, braucht es einen Vertrag nach Artikel 28 DSGVO. Bitte darum, ihn vor dem Vertragsabschluss zu sehen.

Reicht die Angabe „Server in der EU“?

Nein. Die belastbare Antwort nennt Land, Rechenzentrumsbetreiber und mögliche Ausweich-Standorte. „Server in Frankfurt“ kann auch bedeuten, dass ein US-Konzern dort ein Rechenzentrum betreibt, dessen Muttergesellschaft dem US-Recht unterliegt.

Werden Unternehmensdaten von KI-Anbietern zum Training verwendet?

Bei kostenpflichtigen Geschäftskunden-Tarifen ist die Antwort meist nein, sie muss aber im Vertrag stehen. Frag außerdem, wie lange Eingaben zur Missbrauchserkennung zwischengespeichert werden.

Wie lange dauert die Prüfung eines KI-Anbieters?

Die sieben Fragen dauern zusammen etwa zwanzig Minuten. Sie ersetzen keine Datenschutzfolgenabschätzung, trennen aber zuverlässig Anbieter mit echten Antworten von solchen mit Textbausteinen.

Quellen

  1. Data Privacy Framework: offizielle Programmbeschreibung

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