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Was passiert, wenn dein KI-Anbieter die Preise verdoppelt?

Die meisten KI-Systeme im Mittelstand haben eine unsichtbare Sollbruchstelle: Sie funktionieren nur, solange ein bestimmter Anbieter mitspielt. Ein Test in fünf Fragen, mit dem du herausfindest, wie abhängig dein System wirklich ist.

Oliver Hees· 08. September 2026· 4 Min. Lesezeit
Vendor Lock-inKI-StrategieOpen-Source
Ein Schlüssel auf einem Serverschrank im Halbdunkel, KI-generiertes Bild

Stell dir vor, der Anbieter deines KI-Systems verdoppelt zum Jahreswechsel die Preise. Oder er wird übernommen und das Produkt eingestellt. Oder er ändert die Nutzungsbedingungen so, dass dein Datenschutzbeauftragter Nein sagt.

Was kostet dich das, und wie lange dauert es? Wenn du diese Frage nicht in einem Satz beantworten kannst, hat dein System eine Sollbruchstelle, die du noch nicht kennst.

Die Abhängigkeit sitzt nicht dort, wo die meisten sie vermuten

Die verbreitete Sorge lautet: „Wir sind von einem Sprachmodell abhängig." Das ist meist die kleinere Sorge. Modelle sind heute weitgehend austauschbar, und wer seine Anfragen sauber gebaut hat, wechselt das Modell in Stunden.

Die eigentliche Abhängigkeit sitzt an einer anderen Stelle: bei den Daten.

Wenn das Firmenwissen, die Chatverläufe, die Verschlagwortung und die Konfiguration in der Datenbank eines Anbieters liegen und nur mit dessen Software lesbar sind, ist ein Wechsel kein Umzug, sondern ein Neuaufbau. Der Vertrag darf dann monatlich kündbar sein, das ändert nichts.

Der Test in fünf Fragen

1. In welchem Format liegen unsere Daten?

Die entscheidende Frage. Öffne den Datenexport deines Systems und schau hinein.

  • Gut: Textdateien, Markdown, CSV, JSON. Alles, was du mit einem Editor öffnen und verstehen kannst.
  • Schlecht: ein Datenbankabzug in einem Format, das nur die Software des Anbieters lesen kann.
  • Sehr schlecht: Es gibt keinen Export.

Ein Wissensspeicher, der aus einfachen Textdateien mit Versionsverlauf besteht, ist in dreißig Jahren noch lesbar. Ein proprietäres Datenbankformat ist es, solange der Hersteller existiert.

2. Wie lange dauert ein Wechsel, konkret in Tagen?

Nicht „wäre schwierig", sondern eine Zahl. Wenn niemand im Haus sie nennen kann, ist das die Antwort: Es hat nie jemand geprüft.

Ein gesundes System lässt sich in Tagen bis wenigen Wochen bei einem anderen Anbieter oder auf eigener Infrastruktur wieder aufbauen, weil Daten und Konfiguration mitgenommen werden können.

3. Wem gehört der Quellcode?

Bei individuell gebauten Anbindungen ist das eine Vertragsfrage, die selten jemand stellt. Wenn eine Agentur eine Schnittstelle zu deinem ERP geschrieben hat: Bekommst du den Code, oder bekommst du nur Zugang zu einem laufenden Dienst?

Der Unterschied zeigt sich erst, wenn die Zusammenarbeit endet, und dann ist es zu spät, ihn zu verhandeln.

4. Wie viele Anbieter müssen mitspielen, damit das System funktioniert?

Zähl sie durch: Wer hostet? Wer stellt das Modell? Wer die Sprachsynthese? Wer die Automatisierung? Jeder Name auf dieser Liste ist ein Unternehmen, das seine Preise erhöhen, seine Bedingungen ändern oder verschwinden kann.

Vier Anbieter sind nicht per se schlecht. Vier Anbieter, von denen jeder einzelne das System zum Stillstand bringen kann, sind ein Klumpenrisiko.

5. Was passiert am Tag nach der Kündigung?

Die Frage, die alles zusammenfasst. Drei mögliche Antworten:

  • Das System steht still. Vollständige Abhängigkeit.
  • Das System läuft, aber wir können es nicht ändern. Teilweise Abhängigkeit, mit einer Frist bis zum ersten Problem.
  • Das System läuft weiter, wir haben Zugang zu allem. Keine Abhängigkeit.

Was daraus für die Architektur folgt

Aus diesen fünf Fragen lassen sich drei Entscheidungen ableiten, die man am besten trifft, bevor gebaut wird.

Erstens: Die Daten gehören in ein Format, das ohne Spezialsoftware lesbar ist. Wir legen Firmenwissen als Markdown-Dateien mit Versionsverlauf auf dem Server des Kunden ab. Der Vorteil zeigt sich nicht im laufenden Betrieb, sondern in dem Moment, in dem man wechseln will.

Zweitens: Das Modell gehört hinter eine austauschbare Stelle. Wenn jede Anfrage über eine einheitliche Schnittstelle läuft, ist ein Modellwechsel eine Konfigurationsänderung. Wenn Modellaufrufe über den ganzen Code verstreut sind, ist er ein Projekt.

Drittens: Der Betrieb gehört dorthin, wo du Zugriff hast. Läuft das System auf deinem Server, kannst du im Zweifel jemand anderen damit beauftragen. Läuft es beim Anbieter, kannst du nur kündigen.

Der ehrliche Einwand

Unabhängigkeit ist nicht kostenlos. Ein System auf eigener Infrastruktur mit offenen Werkzeugen ist im ersten Jahr aufwendiger einzurichten als ein Abo, bei dem man sich anmeldet und loslegt. Wer nur einen einzelnen kleinen Anwendungsfall hat und ihn vielleicht in einem Jahr wieder abschaltet, fährt mit dem Abo besser.

Der Unterschied wird ab dem Moment relevant, in dem das System zum Bestandteil des Tagesgeschäfts wird. Ab da ist die Frage nicht mehr, was die Einrichtung kostet, sondern was ein erzwungener Wechsel kosten würde.

Der Fünf-Minuten-Test für dein bestehendes System

Wenn du schon ein KI-System im Einsatz hast, mach diesen Test heute:

  1. Lade den Datenexport herunter, den dein Anbieter anbietet.
  2. Öffne die größte Datei darin mit einem Texteditor.
  3. Kannst du erkennen, was drinsteht?

Wenn ja, bist du in einer guten Lage. Wenn nein oder wenn es keinen Export gibt, kennst du deine wichtigste offene Aufgabe.

Wie wir das grundsätzlich lösen, steht auf der Seite zu Lokky-Brain, unserem Wissensspeicher aus einfachen Textdateien. Und wenn du dein bestehendes Setup einmal gegen diese fünf Fragen prüfen lassen willst: Das machen wir im Strategie-Call mit, auch wenn du danach ohne uns weitermachst.

Oliver Hees

Founder & KI-Engineer bei LOKYY. Baut KI-Systeme für den Mittelstand — auf deinen Servern, DSGVO-konform.

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